9. April

Nachschlagewerk über das Deutsche Rote Kreuz und die Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung

Ereignisse

1946 — BRK im Bayerischen Beratenden Landesausschuss

Der Bayerische Beratende Landesausschuss war ein in Bayern kurz nach dem Ende des Zweiten Welt­kriegs (1939–1945) eingerichtetes Gremium, das bis zur Schaffung neuer, dauerhafter Strukturen vorübergehend Funktion eines Parlaments in Bayern wahrnahm und daher auch Vorparlament genannt wurde. Es bestand nur in 1946 und tagte drei Mal. Die zweite Tagung fand am 9. April 1946 in München statt und thematisierte die unvollständige Entnazifizierung des am 27. Juli 1945 neu gegründeten Baye­ri­schen Roten Kreuzes (BRK). Der Abgeordnete Bruno Goldhammer (1905–1971) kritisierte anhand mehrerer Beispiele, dass durch ihre Rolle im NS-Staat (1933–1945) belastete Personen im BRK tätig werden konnten.1 Der damalige Bayerische Staatsminister des Innern, Josef Seifried (1892–1962), dessen Behörde auf Aufsicht über das BRK als Körperschaft des öffentlichen Rechts bis heute führt, verteidigte die bisherigen Bemühungen, die Organisation zu bereinigen, und relativierte die Problematik, ohne auf die konkreten Vorwürfe einzugehen.1.1 Der damalige geschäftsführende Präsident des BRK, Josef Stürmann (1906–1959), war Mitglied des Beratenden Landesausschusses, nahm aber keine Stellung zu den Vorwürfen.

1987 — Letzter regulärer Kongreß des DRK der DDR

Am 9. April 1987 begann der X. Kongreß des DRK der DDR. Er war zugleich die letzte im vorgesehenen Rhythmus einberufene Versammlung dieser Art. Am 7. April 1990 folgte eine außerordentliche Versammlung, und am 6. Oktober 1990 die letzte Versammlung des DRK der DDR überhaupt.

Weitere Informationen

Bayern

Kongreß

Einzelnachweise

  1. Dieser Punkt bezieht sich jetzt auf das Bayer. Rote Kreuz. Ich möchte hier, nachdem bereits ein Untersuchungsausschuß ein­gesetzt worden ist, der diese Dinge prüfen soll, auf ein paar Fälle hinweisen, die das Ministerium und die Staatsregierung darauf aufmerksam machen sollen, daß wir den Feind, den wir gemeinsam bekämpfen müssen, auch wenn wir noch so viele Vorurteile gegeneinander haben, auch in seinen Schlupfwinkeln rechtzeitig aufsuchen sollen. (Sehr richtig!) Wir müssen vor allem auch die sogenannten Wohltätigkeitsinstitutionen und gewisse öffentliche Ämter, die sich mit ähnlichen Dingen zu beschäftigen haben, etwas unter die Lupe nehmen. Ich habe einige Ermitt­lungen angestellt und ich muß sagen: Es ist erschütternd fest­zustellen, daß in einer Institution, wie dem Roten Kreuz, die Situation vom Standpunkt der Säuberung aus geradezu beschä­mend ist. Ein gewisser Oster – (Zurufe) Das gehört natürlich dann zum Spruchausschuß. Ich muß darauf aufmerksam machen, wenn es sich um ein ganzes Netz handelt, lohnt es sich sicher, das Ministerium vor der Öffent­ lichkeit aufmerksam zu machen, damit nicht auf diese Weise Dinge verschleppt werden, die dann gefährlich werden könnten. Ich kann nur sagen, daß das Bayer. Rote Kreuz ohnehin auf diese Weise Gefahr läuft, seiner Aufgabe nicht mehr gerecht werden zu können. - Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß ein SA-Mann beim Sicherheitsdienst in Krakau erst in dem Augenblick aus dem Bayer. Roten Kreuz entfernt wurde, als ein neuer Vizepräsi­dent ins Amt gerufen wurde, der vielleicht in dieser Beziehung un­bequem geworden wäre. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß im Oktober 1945 ein 33-Pg, der besondere Belastungen hat, erst eingestellt und dann auf Druck einige Monate später wieder entlassen wurde. Ich muß feststellen, daß, obgleich diese Personen und ihre Vergangenheit dem verantwortlichen Leiter, Herrn Mo­litor, bekannt gewesen sein mußten, im Bayer. Roten Kreuz im September 1945 ein SS-Mann angestellt werden konnte. Er mußte am 22. Oktober 1945, jedenfalls auf Grund einer behördlichen Anweisung und auf Grund der Fragebogenuntersuchung entlassen werden, worauf er aber nicht entlassen wurde, sondern aus dem Angestelltenverhältnis in ein Gelegenheitsbeschäftigungsverhält­nis überführt wurde und selbstverständlich in der Abt. Kleider­abgabe verschwand. Die Leiterin der Abteilung Kleiderabgabe ist bis heute eine Dame, die von sich aus und auf ihrem Fragebogen angibt, daß sie niemals der Nazipartei angehörte. Ihr Mann war vorher Adjutant des Herrn Molitor im Bayer. Roten Kreuz. Er mußte entlassen werden. Die Frau war angeblich niemals Mitglied der NSDAP, Mitglied einer der Gliederungen oder Führerin. Wir sind jedoch in der Lage festzustellen, daß diese Angestellte, die die Leiterin der Ausgabe von Bekleidungsgegenständen ist, vom Landesführer Dr. v. Kraus in einem Protokoll der Sitzung des Bayer. Roten Kreuzes vom 13. September 1944 als eine Hauptführerin bezeichnet wird. Wir stellen dazu fest, daß auch der Gatte dieser Frau Leber offenbar im Einverständnis mit be­stimmten Herrschaften höheren Orts imstande war, jetzt erst wieder durch das Polizeipräsidium München einen Kraftwagen zugesprochen zu erhalten, dessen Nummer ich hier besitze, ob­ gleich dieser Mann seinerzeit wegen seiner Belastung aus dem Bayer. Roten Kreuz entlassen werden mußte. (Hört! hört!) Schließ­lich stelle ich fest, daß ein Betriebsobmann – ich erfuhr das gestern in diesem Zusammenhang durch die Gewerkschaft – aus dem Bayer. Roten Kreuz entlassen worden ist, weil er Aus­sagen vor dem Untersuchungsausschuß gemacht haben soll. — Beratender Landesausschuß, Niederschrift der zweiten Arbeitstagung des Bayerischen Beratenden Landesausschusses am 9. April 1946 im Bayerischen Hof, München, Prannerstrasse, München 1945, Seiten 45–46.
    1. Es wurde heute anläßlich der Diskussion über das Entnazifizierungsgesetz auch das Bayerische Rote Kreuz gestreift. Ich möchte dazu kurz folgendes ausführen: Das Bayer. Rote Kreuz ist eine charitative Einrichtung, eine öffentlich recht­liche Körperschaft, die unter der Aufsicht des Innenministeriums steht. Das Bayer. Rote Kreuz wurde seinerzeit nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen ad hoc, wenn ich so sagen darf, wiederum neu aus dem Boden gestampft. Auf Grund der Tatsache, daß unter Berücksichtigung der großen Notlage rasches Handeln notwendig war, war es selbstverständlich, daß bei diesem raschen Aufbau nicht alles so gestaltet werden konnte, wie es für eine charitative Vereinigung unbedingt sein muß. Ich habe seinerzeit bei meiner Amtsübernahme eine Generalrevision des Bayer. Roten Kreuzes vorgeschlagen und angeordnet, nicht etwa, weil damit von mir aus ein großes Mißtrauen gegenüber der Leitung des Bayer. Ro­ten Kreuzes an den Tag gelegt werden sollte, sondern aus der Tat­sache heraus, daß ich von der Wirtschaft her gewohnt bin, In­ventur zu machen, wenn ich ein Geschäft oder einen Betrieb über­nehme. Maßgebend dafür war auch, daß in der jetzigen schnellebigen Zeit es unter Beachtung der verschiedenen Nebenumstände einfach nicht anders geht, als daß vielfach improvisiert werden muß. Unter Berücksichtigung dieser Entwicklung zeigen sich bei wiederholten Überprüfungen nach und nach Fehlerquellen. Wenn solche Fehlerquellen vorhanden sind, müssen sie eben durch organisatorische Maßnahmen ausgeglichen werden. Diese General­revision hat stattgefunden. Sie hat im großen und ganzen erfreu­licherweise ein Ergebnis gezeigt, das uns befriedigen kann. Man muß in dieser Angelegenheit selbstverständlich immer die Sache von den Personen trennen. (Zuruf Dr. Hoegner: Sehr gut!) Es ist ganz klar, daß es in der heutigen Zeit vorkommen kann, daß da und dort Persönlichkeiten auf Positionen gesetzt werden, die gute Empfehlungen und einen blütenweißen Fragebogen haben und die sich dann später als irgendwelche politisch anrüchige Persönlichkeiten herausstellen. Das passiert heute allerwärts auf allen Gebieten. (Zuruf Goldhammer: Beim Roten Kreuz ist es aber System, Herr Innenminister!) Herr Abgeordneter Goldhammer! Das ist, glaube ich, doch eine Behauptung, die zu weit geht. (Sehr richtig!) Der umfangreiche Personalstand des Roten Kreuzes ist, dessen dürfen Sie versichert sein, von meiner Prüfungskommis­sion auf das gewissenhafteste geprüft worden und wo sich hier irgend etwas gezeigt hat, was nicht in Ordnung war, so ist das raschestens abgestellt worden. Mir ist auch das bekannt, was der Herr Abgeordnete Goldhammer heute Vormittag kritisiert hat. Sie dürfen mir als Mann, der aus der Gewerkschaftsbewegung kommt, glauben: Ich werde dafür sorgen, daß niemanden, der glaubt, berechtigte Kritik üben zu können, oder der mir als der obersten vorgesetzten Stelle Material übergibt, ein Haar gekrümmt wird. Das ist vollständig ausgeschlossen, das würde ich unter keinen Umständen dulden. Aber das Bayer. Rote Kreuz als solches ist eine charitative Einrichtung, die bisher weitestgehend auf all seinen Einsatzgebieten wirklich Gutes, manchmal sogar Vorbild­liches geleistet hat. Es ist eine Organisation, die vom gesamten Volke getragen wird. Denn die Geber der Mittel, um das alles durchführen zu können, sind ja die einzelnen Teile des Volkes. Durch die verschiedenen Vorfälle, insbesondere durch die Presse­ notiz in der „Neuen Zeitung“ ist eine schwere Vertrauenskrise dem Roten Kreuz gegenüber entstanden und ich halte es für meine Pflicht hier auszusprechen, daß diese Vertrauenskrise zu Unrecht entstanden ist. (Beifall) Wenn sonst noch Dinge bereinigt werden müssen, wie beispielsweise die Höhe der Gehälter der führenden Persönlichkeiten und die Art und Weise, wie bisher die Geschäfts­führung in, ich möchte fast sagen autarker Einstellung die Dinge gemeistert hat, so ist das eine Angelegenheit, die von mir schleu­nigst erledigt wird. Ich würde es keinesfalls dulden, daß irgend­ eine Einrichtung des Staates, insbesondere eine Einrichtung, die charitative Aufgaben zu lösen hat, in irgendeiner Form unge­rechte Dinge zuläßt oder daß bei solchen Einrichtungen Über­spitzungen und Übersteigerungen vorkommen in bezug auf die Einkommensverhältnisse oder auf die Verwendung der Mittel. Wir werden von der Regierung aus eine entsprechende Erklärung in die Presse bringen. Ich möchte Sie aber von dieser Stelle aus heute schon bitten, wenn Sie wieder hinauskommen in Ihre ein­zelnen Bezirke und Kreise, dafür zu sorgen, daß das Ansehen des Roten Kreuzes in Bayern wieder die entsprechende Förderung er­fährt wie wir von uns aus oder ich von mir aus Ihnen die Ver­sicherung gebe, daß alles getan wird, um dieses Wohlwollen, das das Bayer. Rote Kreuz braucht, nach jeder Richtung hin auch zu rechtfertigen. (Lebhafter Beifall.) — Seiten 58–60.